Tennisarm: Ursachen verstehen und mit gezieltem Krafttraining nachhaltig gegensteuern
Ein stechender Schmerz an der Außenseite des Ellenbogens, Probleme beim Zugreifen, Schwierigkeiten beim Heben einer Kaffeetasse oder beim Tragen von Einkäufen – viele Menschen mit Tennisarm kennen diese Beschwerden sehr gut. Oft beginnen die Schmerzen schleichend, werden im Alltag zunächst ignoriert und entwickeln sich dann zu einer dauerhaften Einschränkung. Spätestens wenn selbst einfache Tätigkeiten wie Arbeiten am Computer oder das Öffnen einer Flasche unangenehm werden, entsteht Unsicherheit: Sollten Sie den Arm schonen, komplett pausieren, Dehnübungen durchführen oder gezielt trainieren?
Genau an diesem Punkt setzt dieser Beitrag an. Sie erfahren, was ein Tennisarm wirklich ist, welche Ursachen dahinterstehen und warum ein rein passiver Ansatz häufig nicht ausreicht. Gleichzeitig erhalten Sie eine klare Einordnung, ob und wie Krafttraining bei Tennisarm sinnvoll sein kann – und wie Sie Ihre Beschwerden langfristig verbessern können, statt sie nur kurzfristig zu reduzieren.
Was ist ein Tennisarm?
Der Tennisarm oder Tennisellenbogen, medizinisch als Epicondylitis humeri radialis oder auch als Epicondylopathia humeri radialis bezeichnet, ist eine schmerzhafte Reizung im Bereich der Sehnenansätze an der Außenseite des Ellenbogens. Genauer betroffen sind die Muskelsehnen der Streckmuskulatur im Unterarm, die an einem knöchernen Vorsprung des Ellenbogens ansetzen.
Der Tennisellenbogen wird abgegrenzt vom Golferellenbogen oder Golferarm. Hier sind die Sehnenansätze der Muskeln betroffen, die für die Beugung im Arm zuständig sind.
Typisch ist, dass die Beschwerden beim Tennisarm nicht durch eine einzelne Verletzung entstehen, sondern durch eine wiederkehrende Überlastung. Der Begriff Tennisellenbogen oder Tennisarm führt dabei häufig in die Irre: Zwar kann die Rückhandbewegung beim Tennisspielen ein Auslöser sein, viel häufiger entwickelt sich ein Tennisarm aber durch alltägliche Belastungen, monotone Bewegungen oder berufliche Tätigkeiten.
Welche Symptome sind bei einem Tennisarm typisch?
Die Symptome bei einem Tennisarm sind oft klar zuzuordnen, entwickeln sich jedoch schleichend und können sich im Verlauf verstärken. Zu den häufigsten Anzeichen zählen Schmerzen an der Außenseite des Ellenbogens, die bei Belastungen deutlich zunehmen.
Viele Betroffene berichten über Beschwerden beim Greifen, Heben, Tragen oder Drehen des Unterarms. Auch das Arbeiten mit der Computermaus, handwerkliche Tätigkeiten oder wiederholte Bewegungen im Alltag können die Schmerzen auslösen oder verstärken. Typisch ist zudem ein spürbarer Kraftverlust im Arm, insbesondere beim Zupacken. In einigen Fällen strahlen die Schmerzen in den Unterarm oder bis in die Hand aus.
Tennisellenbogen vs. Golferellenbogen – Symptome unterscheiden
Wenn Sie Schmerzen an der Außenseite des Ellenbogens spüren, insbesondere beim Heben, Greifen oder Strecken des Handgelenks, spricht das eher für einen Tennisarm – die Epicondylitis humeri radialis. Die Beschwerden treten häufig auf der daumenseitigen Seite auf und können in den Unterarm ausstrahlen.
Liegen die Schmerzen hingegen an der Innenseite des Ellenbogens und verstärken sich vor allem beim Zupacken, Tragen oder Beugen des Handgelenks, deutet das eher auf einen Golferarm hin. Diese Unterscheidung ist wichtig und sollte im Zweifel ärztlich abgeklärt werden, denn in der Akutphase werden beide Beschwerdebilder im medizinischen Krafttraining mit genau gegensätzlichen Kräftigungsübungen bearbeitet.
Der Tennisarm und seine Ursachen
Die Ursachen für einen Tennisarm sind in den seltensten Fällen auf ein einzelnes Ereignis zurückzuführen. Vielmehr handelt es sich um ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren, die über einen längeren Zeitraum zu einer Überlastung der Sehnenansätze führen.
Eine zentrale Rolle spielen wiederkehrende Bewegungsmuster, insbesondere wenn diese einseitig oder monoton ausgeführt werden. Typische Beispiele sind Tätigkeiten am Computer, handwerkliche Arbeiten oder bestimmte Bewegungsmuster im Sport. Chronische Verspannungen der Schulter- und Nackenmuskulatur können die Beschwerden im Arm begünstigen und sind oft mit der Entstehung eines Tennisarms verbunden.
Häufig liegt zudem ein unzureichendes Kraftniveau der Muskulatur im Unterarm vor. Wenn die Muskulatur rund um den Ellenbogen nicht ausreichend Kraft und Kontrolle aufbringt, kann sie einwirkende Kräfte nicht effektiv abfangen. Die Folge ist, dass ein größerer Anteil dieser Kräfte direkt über die Sehnen an den Sehnenansätzen weitergeleitet wird – da Sehnen länger zur Regeneration benötigen als Muskeln, neigen sie schneller zur Überlastung.
Warum Schonung allein häufig nicht ausreicht
Viele Betroffene reagieren auf Schmerzen im Ellenbogen zunächst mit Schonung. Kurzfristig kann dies sinnvoll sein, um die akute Entzündung zu reduzieren und den Sehnenansätzen Zeit zur Regeneration zu geben. Langfristig führt ein dauerhaftes Vermeiden von Belastungen jedoch häufig zu einer weiteren Reduktion der Belastbarkeit.
Die Muskulatur baut ab, die Sehnen werden weniger widerstandsfähig und so können bereits geringe neue Reize erneut Beschwerden auslösen. Die Gefahr für wiederkehrende Probleme steigt erheblich und diese können zu einem chronischen Tennisarm führen. Ein klassischer Verlauf ist, dass die Schmerzen nach einer Belastungspause zunächst besser werden, bei Wiederaufnahme der gewohnten Tätigkeiten jedoch schnell zurückkehren.
Krafttraining bei Tennisarm – sinnvoll oder riskant?
Krafttraining bei Tennisarm wird häufig kritisch betrachtet, da viele Betroffene befürchten, ihre Beschwerden dadurch zu verschlimmern. Tatsächlich kann gezieltes Krafttraining jedoch ein zentraler Bestandteil der Behandlung sein – vorausgesetzt, es wird individuell angepasst und fachlich begleitet.
Nicht jedes Training und alle Übungen sind geeignet. Sportarten wie Tennis oder Sportklettern sollten vermieden werden; im Krafttraining werden Übungen gemieden, bei denen Griffkraft vonnöten ist. In der Akutphase werden außerdem keine Übungen für die Auswärtsdrehung im Unterarm oder die Streckung im Handgelenk durchgeführt.
Sinnvoll ist – neben einem Ganzkörperprogramm ohne kontraindizierte Übungen – mit anfangs niedriger Intensität die Einwärtsdrehung zur Innenseite und die Beugung über das Handgelenk auszuüben. Im maschinengeführten Gerber Training in Bochum dient das Training an der H3 und H5 gleichzeitig als Dehnübung und stellt so in vielen Fällen eine erfolgreiche Therapie des Tennisarms dar.
Wie kann gezieltes Gerber Training bei Tennisarm helfen?
Gerber Training kann auf mehreren Ebenen positiv auf den Tennisarm wirken:
- Gezielte, isolierte Übungen zur schrittweisen Erhöhung der Belastbarkeit: In der Akutphase sind die Einwärtsdrehung an H3 und die Beugung an H5 von großer Bedeutung. Nach Abklingen der Beschwerden können H4 und H6 ergänzt werden.
- Verzicht auf kontraindizierte Übungen: Übungen, für welche Griffkraft benötigt wird oder die Außenrotation und Streckung im Unterarm stattfindet, werden zeitweise durch schonende Alternativen ersetzt.
- Aufbau der umgebenden Muskeln und Behandlung von Dysbalancen: Durch ausgeglichene Muskelkraft werden die Bewegungsabläufe optimiert und das Risiko einer erneuten Überbelastung gesenkt.
- Therapie übriger Bewegungseinschränkungen: Durch Steigerung der Beweglichkeit und Reduktion von Verspannungen wird die mechanische Belastung auf die Sehnen reduziert.
Warum der Tennisarm oft mehr ist als nur ein Ellenbogenproblem
Auch wenn die Schmerzen lokal im Ellenbogen auftreten, liegt die Ursache häufig in einem größeren funktionellen Zusammenhang. Eine instabile Schulter, eine schwache Rumpfmuskulatur oder eingeschränkte Beweglichkeit können dazu führen, dass die Arme unnötig stark belastet werden. Der Ellenbogen fungiert in vielen Bewegungen als Übertragungsstelle von Kräften. Ein ganzheitlicher Ansatz, der den gesamten Bewegungsapparat einbezieht, ist in der Regel deutlich effektiver.
Tennisarm-Nachsorge: Warum der wichtigste Schritt erst nach der Reha kommt
Nach einer klassischen Reha oder Physiotherapie berichten viele Betroffene, dass ihre Beschwerden zunächst besser geworden sind. Häufig fehlt jedoch ein nachhaltiger Übergang in den Alltag. Genau hier liegt ein entscheidender Punkt: Ohne kontinuierlichen Belastungsaufbau besteht ein erhöhtes Risiko für Rückfälle.
Gerber Training setzt genau an dieser Stelle an. Das medizinisch betreute Krafttraining stellt eine sinnvolle Ergänzung zur Reha dar – sowohl begleitend als auch im Anschluss daran. Darüber hinaus kann dieser Ansatz auch präventiv eingesetzt werden. Wer frühzeitig an seiner Kraft, Beweglichkeit und Bewegungsqualität arbeitet, reduziert das Risiko für erneute Beschwerden deutlich.
Mehr zum Thema Training nach der Rehabilitation lesen Sie hier: Reha-Training bei Gerber Training – Fortschritte sichern und ausbauen
Wann sollte ein Tennisarm ärztlich abgeklärt werden?
Für eine erfolgreiche Behandlung mit Krafttraining ist es wichtig, möglichst die Ursache der entstandenen Schäden zu kennen und eine genaue Diagnose zu haben. Starke, anhaltende oder unklare Schmerzen im Ellenbogen sollten ärztlich abgeklärt werden. Auch bei zusätzlichen Symptomen wie Taubheitsgefühlen, deutlicher Kraftminderung, Schwellungen oder plötzlich auftretenden starken Schmerzen ist eine medizinische Untersuchung sinnvoll. Training kann eine Therapie unterstützen, ersetzt jedoch keine Diagnostik.
Wir empfehlen dazu die Medizinische Trainingsberatung bei unserem Physiotherapeuten Achim Baumgarth oder unserem Orthopäden Dr. Jozef Colemont, die Sie bei der korrekten Diagnose und Behandlung unterstützen.
Fazit: Tennisarm nachhaltig verbessern statt nur kurzfristig entlasten
Ein Tennisarm oder Tennisellenbogen entsteht in den seltensten Fällen zufällig – meist ist er das Ergebnis eines länger bestehenden Ungleichgewichts zwischen Belastung und Belastbarkeit. Wer ausschließlich auf Schonung setzt, lindert die Schmerzen oft nur kurzfristig, ohne die eigentlichen Ursachen zu verändern. Entscheidend ist daher ein Umdenken: weg von reiner Entlastung, hin zu einer Behandlung mit gezieltem, strukturiertem Belastungsaufbau.
Genau hier setzt medizinisches Krafttraining an. Durch individuell angepasste Übungen, eine saubere Bewegungsausführung und eine kontrollierte Progression kann die Belastbarkeit der Sehnen und der umliegenden Muskulatur nachhaltig verbessert werden. Gleichzeitig werden Bewegungsmuster optimiert und die Grundlage geschaffen, um Beschwerden langfristig zu reduzieren und Rückfällen vorzubeugen.
Wenn Sie nicht nur Ihre aktuellen Beschwerden in den Griff bekommen, sondern Ihren Körper wieder belastbarer und widerstandsfähiger machen möchten, kann ein gezielter Trainingsansatz der entscheidende Schritt sein. Vereinbaren Sie jetzt ein kostenloses Probetraining bei Gerber Training in Bochum.
Auch beim Golferarm hilft gezieltes Krafttraining. Lesen Sie, wie sich die Behandlung bei Schmerzen an der Innenseite des Ellenbogens unterscheidet.
Häufig gestellte Fragen zum Tennisarm
Was sind die häufigsten Ursachen für Tennisarm?
Die häufigsten Ursachen für einen Tennisarm oder Tennisellenbogen sind wiederkehrende Überlastungen durch einseitige Bewegungen im Alltag, Beruf oder Sport. Dazu zählen vor allem monotone Tätigkeiten, ungewohnte Belastungen und ein gleichzeitig zu geringes Kraftniveau im Unterarm. Oft ist nicht ein einzelner Auslöser wirksam, sondern das Zusammenspiel aus Belastung, fehlender Regeneration und ungünstigen Bewegungsmustern.
Hilft Krafttraining bei Tennisarm wirklich?
Ja, Krafttraining bei Tennisarm kann sehr effektiv sein – vorausgesetzt, es wird individuell angepasst und fachlich begleitet. Ziel ist es, die Belastbarkeit der Sehnen schrittweise zu erhöhen. Wichtig sind eine saubere Ausführung, die richtige Dosierung und eine kontrollierte Progression.
Sollte man einen Tennisarm schonen oder bewegen?
In der akuten Phase kann kurzfristige Schonung sinnvoll sein, um Schmerzen zu reduzieren. Langfristig ist jedoch gezieltes Training der Armmuskulatur entscheidend, um die Belastbarkeit zurückzuerlangen. Eine Kombination aus angepasster Belastung und strukturiertem Training führt meist zu den besten Ergebnissen.
Wie lange dauert ein Tennisarm?
Die Dauer eines Tennisarms kann stark variieren und hängt von der Ursache und der Behandlung ab. Erste Verbesserungen sind oft nach einigen Wochen möglich, vollständige Beschwerdefreiheit kann jedoch mehrere Monate in Anspruch nehmen. Entscheidend ist ein konsequenter und sinnvoll gesteuerter Trainingsaufbau.
Kann ein Tennisarm durch Computerarbeit entstehen?
Ja, auch Computerarbeit kann einen Tennisarm begünstigen. Wiederholte Bewegungen mit Maus und Tastatur sowie eine ungünstige Haltung können zu einer Überlastung im Unterarm führen. Besonders problematisch ist dabei die Kombination aus hoher Wiederholungszahl und geringer Belastbarkeit der Muskulatur.
Was sollte man bei Tennisarm vermeiden?
Vermeiden sollten Sie vor allem Belastungen, die die Beschwerden deutlich verstärken. Dazu gehören intensive Greif- und Streckbewegungen sowie Sportarten mit hoher Spitzenbelastung für die Ellenbogensehnen. Gleichzeitig ist es wichtig, nicht dauerhaft komplett zu pausieren, sondern gezielt und angepasst zu trainieren.
Ist ein Tennisarm immer eine Entzündung?
Nein, ein Tennisarm ist nicht immer eine klassische Entzündung. Häufig handelt es sich um eine Überlastungsreaktion der Sehnenansätze mit strukturellen Veränderungen. Der Begriff Entzündung wird zwar oft verwendet, beschreibt aber nicht immer das tatsächliche Geschehen im Gewebe.
Wie unterscheiden sich Tennisarm und Golferarm?
Der Tennisarm betrifft die Außenseite des Ellenbogens und entsteht meist durch Überlastung der Streckmuskulatur im Unterarm, während der Golferarm die Innenseite betrifft und die Beugemuskulatur involviert ist. Entsprechend unterscheiden sich auch die auslösenden Bewegungen: Beim Tennisarm stehen Streck- und Drehbewegungen im Vordergrund, beim Golferarm vor allem Greifen und Beugen im Handgelenk. Die genaue Unterscheidung ist wichtig, da sich die Behandlung und insbesondere die Kräftigungsübungen in der Akutphase deutlich unterscheiden.
Tennisarm: Was bringt Krafttraining nach der Reha?
Ein strukturiertes Krafttraining im Anschluss an eine Reha hilft dabei, die erzielten Fortschritte zu sichern und die Belastbarkeit weiter zu steigern. Ohne diesen Schritt besteht ein erhöhtes Risiko, dass die Beschwerden zurückkehren. Ein gezielter Trainingsaufbau unterstützt Sie dabei, langfristig stabil und beschwerdefrei zu bleiben.